Katzengeschichten aus aller Welt

Es gibt ja vieles, das es nicht gibt. Aber das hier gehört nicht mehr dazu, das gibt’s jetzt nämlich. Nicht für die Katz. Eher von der Katz. Was es nicht alles gibt!

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# zwölf.

Halbzeit.

Schöne Bescherung

Der Zug schlängelte sich lautlos durch die graue Suppe. Die Lichter verloren sich im Nichts, so als wären sie nie da gewesen.

Die Frau biss in ihren Nussgipfel. „Was für ein Sauwetter, dieser Nebel“, sagte sie. „Es ist zum Haaröl seichen“, sagte er. „Ja, zum davonlaufen“, sagte sie. Und zog ihre Nase weit zu den senkrechten Augenbrauen.

Der Duft des Nussgipfels kitzelte die Nase des jungen Journalisten gegenüber. Wild kaute er auf seinem Kaugummi, wie eine Kuh, die Frühlings zum ersten Mal ins junge Gras beisst, nachdem der Winter nur Heu brachte. „Ich schreibe eine Story darüber“, züngelte er ins Smartphone. „Und hätte gerne sie als Interviewpartner. Denn wer weiss denn schon so viel wie sie zu sagen, zu diesem Thema“, sagte er, kaute weiter, strich durch die gelierten Haare und liess sich noch weiter in den Zugssessel fallen. „Ja, fürs Donnerstagsblatt. Ich möchte die Geschichte im Donnerstagsblatt.“

„Seit Tagen…

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# elf

…. was, schon beim Türchen elf?

Schöne Bescherung

Der Eisbär schaute sich in seiner geräumigen Höhle um und seufzte tief. „Alles, was ich wollte, war ein Cello“, murmelte er traurig und setzte sich an eines der drei Cembalos, die sich an die Ostwand seiner arktischen Behausung reihten. Sanft setzte er seine Pranken an die Tasten und begann zu spielen, was angesichts der Grösse seiner Tatzen viel Krallenspitzengespür verlangte. Leise echote die Melodie von den Eiswänden und driftete in die klare Polarnacht hinaus. Plötzlich unterbrach ein bedrohliches Brüllen das sanftes Lied: „RRRRRRRARRRRRRR!“ Der Eisbär schaute auf. Im Eingang stand eine Eisbärin, die Tatzen in der Luft, die Krallen ausgefahren, und starrte verblüfft vom Eisbären zu den Cembalos und von den Cembalos wieder zum Eisbären. „Entschuldigen Sie“, sagte sie höflich und liess die Pranken sinken, „ich dachte, ich hätte mein Abendessen gehört.“ „Ich weiss,“ brummte der Eisbären mit einem erneuten schweren Seufzer. „Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass hier nie…

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# neun.

Türchen neun – mal für den Kater.

Schöne Bescherung

My beautiful picture My beautiful picture

Kater Lorenzo war so etwas wie der tierische Held meiner Kindheit. Er vereinte und durfte alles, was mir vorenthalten war: Jagen, nächtelang alleine durch den Wald streifen und das Geschäft immer und überall verrichten, wo er grad wollte. Keine Konventionen oder erzieherische Massnahmen wurden über sein Fell gelegt. Was – im Nachhinein betrachtet – aber wohl auch mit Desinteresse zu tun haben mochte, weil Kater Lorenzo war einer von vielen, die halt kamen und gingen. Für mich war er der Grösste. Und wenn er manchmal tagelang, einmal sogar drei Wochen, verschwand, waren es die grössten Abenteuer, die er da in meiner Phantasie bestand. Das wollte ich auch, wenn ich gross bin, dachte ich. Der Onkel werden, der hie und da verschwindet und dann über die sieben Weltmeere zurückkehrt. Irgendwann habe ich mir ein Wohnmobil gekauft. Kein grosses, ein kleines. Aber funktional, das ist es. Stolz habe ich…

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# acht

Und schon geht’s weiter. Mit acht-samem Wild. Oder stillen Katern.

Schöne Bescherung

Eine Sternschnuppe lang steht das Reh still, schaut der Jägerin direkt in die Augen. Andrina lässt das Gewehr sinken, schaut stumm zu, wie sich seine Atemwölkchen in der Nacht verlieren. Der Wedel zuckt, weiss blitzt die Unterseite auf, das Tier setzt sich in Bewegung. Noch hört sie das Rascheln von Hufen im Laub, dann kehrt die Stille zurück, legt sich über das Tal wie ein satter Kater, schwer und träge und wachsam zugleich. Andrina lächelt. Sie denkt: Manchmal sind die besten Geschichten diejenigen, die keine Geschichten sind.

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# sechs

Türchen sechs. Auf in die grosse, weite Welt.

Schöne Bescherung

Der Magen flattert, das Herz tanzt. Dein Flugzeug ist gelandet. Ich sitze still im angewärmten Flughafensessel und starre auf den Bildschirm. Gepäckausgabe: 10 Minuten. Ich stelle mir vor, wie du dich aus dem engen Flugzeugsitz schälst, dich streckst und nach deinen Siebensachen suchst – hast du den Pass? Das Buch? Die Kopfhörer? Ich sehe dich vor mir, wie du geduldig hinter der Dame mit dem aufdringlich-süssen Parfüm und der Familie mit den drei schreienden Kindern durch den engen Gang schlurfst und, endlich!, aus der fliegenden Blechzigarre trittst. Wie du durch die endlosen Gänge zur Passkontrolle marschierst, den schmutzigen Rucksack über die Schulter geschlungen, die Papiere in der Hand, und ich frage mich, wer du wohl geworden bist auf deinen Reisen, was du erlebt hast, welche neuen Erinnerungen sich in das Mosaik deiner Persönlichkeit eingefügt haben – haben sie neue Farben gebracht, ein neues Muster gebildet? Und liebt mich das neue…

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